Dem VfL Klafeld-Geisweid hat es in den letzten Jahren an vielem gemangelt, aber vor allen Dingen an Unterstützung aus dem "Viertel". Nicht jeder kann in den Vorstand gehen, nicht jeder kann Trainer sein, nicht jeder kann Sponsor sein. Keine Frage. Aber auch mit Besuchen des Hofbachstadions hätten viele helfen können.Hier macht gerade einiges die Runde. Aber für Geisweid selbst geht es um mehr als nur diesen Verein. Denn es ist wieder ein Verein (viele sind es nicht mehr) der verschwinden wird. So wie die ehemals alle 1o m zu findenden Kneipen, die Menschen, die Gemeinschaft, die diesen Ort ausgemacht hat. Baulich schön war es hier in vielen Bereichen nie. Es ist was anderes, ob man ein IT-Unternehmen vor Ort hat oder traditionell und geschichtlich von der Stahlindustrie geprägt ist. Es gab ein multikulturelles Miteinander, von dem man als Kind geprägt wurde und womit man umgehen konnte. Es gab Feste und jeder kannte jeden. Ein Gang durch den Ort oder das Einkaufen war nicht möglich, ohne dass man an jeder Ecke sein Schwätzchen hielt. Heute ist das Einkaufen an sich kaum noch möglich. Nichts, gar nichts, aber wirklich überhaupt nichts ist mehr mit dieser alten Zeit vergleichbar oder übrig geblieben. Und zwar in allen Bereichen, die einem so einfallen. Ich sage das hier jetzt so. Aber unzählige andere Menschen sagen das auch. Solange sie nicht öffentlich dazu stehen müssen. Für mich ist mein Heimatort ein Abstiegskandidat in jeglicher Hinsicht. Und dann kommt so eine weitere Demission eines quasi ehemaligen Leuchtturms, der ja auch ganz viele Jugendliche unter seinen Fittichen hatte, ganz anders rüber, als man das in der Öffentlichkeit nachvollziehen kann. Auch für die vielen Ehrenamtler und engagierten Helfer, deren biologische Uhr abgelaufen ist und die längst nicht mehr da sind, ist oder wäre das ein Stich ins Herz, wenn sie das noch erleben müssten. Alleine was da in den vergangenen Jahren noch durch unglaubliche Eigenleistung alles geschaffen wurde, wie das schöne Sportheim beispielsweise.
Ich schreibe das hier so inbrünstig, obwohl ich selber mein Augenmerk woanders hingelegt habe. Das ändert aber nichts daran, dass es seit meiner Kindheit ein Teil war, der dazu gehörte und wo man hingegangen ist, als noch Namen wie Reese und Krieger, aber auch der eine oder andere Sportfreunde-Recke dort auf Asche gespielt haben. Als das Hofbachstadion gebaut wurde, war das für uns Kinder ein Abenteuer-Spielplatz. Und man wohnte seinerzeit noch gleich nebenan, mit Blick auf das Geschehen. Lange ist es her und es wird ein weiterer bitterer Schritt eines abgestiegenen Stadtteils sein, der auch von der Stadt Siegen aus meiner Sicht stiefmütterlich behandelt und in manchen Bereichen die Entwicklung betreffend links liegen gelassen wurde.
Ich weiß, dass der Spruch weitgehend auf Kritik stößt, aber meine Empfindung ist: Früher war alles besser, ich bin von früher!
Es ist subjektiv, weil jeder ein anderes "Früher" hatte und die nachfolgenden Generationen nichts damit anfangen können. Aber das was hier abgeht ist schon traurig, wenn man so viele Jahre als Vergleichsparameter hat.
Hier im Ort hatten wir letztes Jahr die Situation, dass das Osterfeuer auf der Kippe stand. Weil zu wenig Leute bereit waren, beim Aufbau zu helfen. Dann gabs einen Rundbrief in alle Briefkästen, in den Vereinen wurde drüber gesprochen. Klar war: Wenn keiner hilft, wird es diese Tradition nicht mehr geben. Das Resultat: Am morgen des Aufbaus waren schon zu viele Helfer da. Kleine Kinder, Erwachsene, teils auch ältere Leute, die zwar nicht mehr "richtig" anpacken konnten, aber doch ein Zeichen setzen wollten.
Jeder kann etwas dazu beitragen, dass es in seinem Ort oder seinem Viertel weitergeht. Und mir brauch niemand zu erzählen, dass das auch in Klafeld nicht möglich wäre, auch, wenn es durch den dortigen "Zuzug" gewiss schwerer ist.