Ich wollte eigentlich nicht mehr drauf eingehen, weil du es schlicht und einfach nicht verstehst. Aber nun muss ich doch, weil es wichtig ist und nicht so stehen bleiben kann.
Der Begriff "Gurke", den ich neulich für ein Stilmittel der Zuspitzung/Übertreibung benutzt habe, war für dich unterirdisch. Bei dir fallen jetzt zum wiederholten Male Begriffe wie "anbeten", "Gott-gleich" und jetzt kommt nochmal eine Negativ-Steigerung mit dem Begriff "Fanatismus" mit dazu. Zum einen nutzt du - wahrscheinlich ohne es zu wissen - das gleiche Stilmittel, um Dinge etwas überspitzt zu beschreiben. Damit hast du den Begriff "Gurke" schon mal neutralisiert. Beim Wort "Fanatismus" rate ich dazu, da sehr sparsam mit umzugehen. Denn dieser Begriff ist ausschließlich negativ besetzt, im schlimmsten Sinne. Ich empfehle das Wörterbuch, wo beschrieben wird, was das bedeutet. Auch mit "Gott-gleich" kann ich nichts anfangen. Zur Zeit gibt es nur einen, mit dem man das in Verbindung bringen kann. Und der sitzt mit hohlem Schädel im Weißen Haus und inszeniert KI-Bilder von sich als heilender Jesus oder dem Papst himself. Er sieht sich mit beiden auf einer Stufe. Nur mal, um diese Bezeichnung ein wenig zu relativieren.
Zum anderen verstehst du einfach nicht, was das bei mir wirklich ist. Ich nenne das Empathie und die Fähigkeit oder zumindest den Versuch, sich in jemand anderen rein zu versetzen. Das kann ein Fußballer sein oder ein Arbeitskollege, ein Zirkus-Clown oder ein Penner auf der Straße. Wenn jemand so abserviert wird, egal wo, dann versuche ich das auch durch die Augen des Betroffenen zu sehen. Da aber im Fußballgeschäft die Spieler immer noch direkte Nachkommen der Gladiatoren aus dem alten Rom sind, verdienen sie in den Augen der meisten eine solche Sichtweise nicht. Es ist "Material", was Geld verdient und wenn irgendwas nicht passt, weg damit. Ja, ich weiß, dass die Spieler heutzutage auch nicht mehr für einen Tankgutschein spielen (lohnt sich fast schon wieder) und das Vereinswappen küssen, um kurz danach zu verschwinden. Aber in diesem Fall geht es um einen Spieler, 22 Jahre alt, der uns oder ich sage besser mich und viele andere, wahnsinnig begeistert hat, einen Totalabsturz erfährt. Ob das berechtigt ist oder nicht, entscheiden ja andere. Trotzdem sehe ich aber auch den Menschen dahinter. Ich sage halt nicht so einfach "brauchen wir nicht, kann weg". Zumindest nicht im übertragenen Sinne. Du bist knallhart und nimmst Tabasco als Augentropfen. Ich bin etwas weicher gestrickt und nur weil es ein Fußballspieler ist, sehe ich das nicht anders. Er geht jetzt mit einem leeren Blatt und einem angeschlagenen Ruf hier weg. Bewertet von einem Trainer, der selber gegen einen massiv schlechten Mainstream zu kämpfen hat. Da kann man von halten was man will. Ich tendiere immer dazu, erst mal den zu sehen, dem es dabei nicht so gut geht. Und dabei ist es mir völlig schnuppe, wie man über mich denkt. Und deshalb hätte ich mir heute ein Autogramm geholt und sei es nur, um gegen diesen Mainstream ein Zeichen zu setzen. Ich hoffe, damit habe ich jetzt alles erklärt. Noch einen Versuch mache ich jedenfalls nicht und wünsche dem Jungen von hier aus nur das Beste für die Zukunft.