Früher mehr Herz – heute mehr Geschäft?

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Lvl 1
Manchmal sitze ich da und denke an früher zurück – an Zeiten, in denen sich Fußball noch irgendwie… näher angefühlt hat.

Nicht größer, nicht erfolgreicher – aber echter.

Vor allem denke ich an 2016. An die Aufstiegsmannschaft.
Das war mehr als nur ein Team – das war ein Gefühl.

Damals hatte man das Gefühl, man kennt die Jungs auf dem Platz. Nicht persönlich natürlich, aber irgendwie war da eine Verbindung. Spieler, mit denen man sich identifizieren konnte. Typen, die für den Verein gebrannt haben – und bei denen man gemerkt hat, dass es ihnen genauso weh tut wie uns, wenn etwas nicht läuft.

Vor jeder Sommerpause dieses komische Gefühl: Wer geht? Wer bleibt?
Und wenn jemand gegangen ist, hat es sich nicht einfach wie ein Transfer angefühlt – sondern wie ein kleiner Verlust.

Ich denke da zum Beispiel an Namen wie René Lewejohann.
Das waren keine Stars – das waren unsere Spieler.

Heute ist vieles professioneller, schneller, größer geworden.
Aber genau diese Nähe, dieses „Wir gegen den Rest“, dieses ehrliche Mitfiebern… das vermisse ich.

Wie geht’s euch damit?
Ist das nur Nostalgie – oder fehlt euch dieses Gefühl auch?
 
Die Mannschaft damals ist mir auch ans Herz gewachsen. Aber alles hat seine Zeit, und Typen wie Lewejohann werden halt seltener. Mir ist es wichtig, dass wir als Traditionsverein weiter nachhaltig unseren Weg gehen, die Region begeistern, und die Sportfreunde auch deutschlandweit wieder in den Blickpunkt bekommen. Die Zeiten wo das lange lange nicht gelang, gehören hoffentlich zukünftig der Vergangenheit an.

Spieler kommen und gehen, das Rad wird sich hier auch immer schneller drehen. Von daher sollte man nicht zu sehr an Namen hängen.
 
Na ja, man weiß ja, dass das genau mein Thema ist. Nostalgie, Gefühle, eine Art Sentimentalität. Alles was zu den "Fußball-Romantikern" gehört. Aber auch alles, was eigentlich in diesem Geschäft nicht vorhanden ist. Zumindest wenn man es von der rein wirtschaftlichen Seite betrachtet und sicher ein Stückweit auch von den sich daran anpassenden Spielertypen. Wo einer wie du und ich geknickt ist, wenn einem einer ein wenig ans Herz gewachsen ist, küsst derjenige ein paar Wochen nach seinem Abgang das nächste Vereinswappen auf dem Trikot. Nur aus der Warte betrachtet, sollte man es nüchtern sehen und sich den Gegebenheiten und der moralisch teils fragwürdigen Praxis einfach anpassen.

Aber wie du schon sagst und wie ich es in den letzten 20 Jahren auch erlebt habe, es gibt eben auch die Ausnahmen, die zumindest während ihrer Zeit in Siegen ein paar echte Typen waren, mit denen man gerne zu tun hatte und die auch eine gewisse Nähe zugelassen haben. Ich habe die alten Kamellen ja schon mehrfach erzählt, was Nemeth, Cartus, im Fall von mir und meinem Sohn auch Okpala und etliche andere angeht. Okpala erschien vor einigen Jahren mal wie aus heiterem Himmel beim Training im Hofbachstadion. Da war Reini noch für das Drumherum der Mannschaft zuständig. Okpala kam direkt auf mich zu, umarmte mich und wusste noch genau wer ich war. Ich fragte ihn, wie es um seine Herzerkrankung aussieht. Er hatte ja in seiner Zeit hier oder kurz danach mit dem klassischen Sportlerherz zu tun. Das hat sich aber dann nach dem Ende der Karriere wieder behoben. Vor dem letzten Spiel gegen Reutlingen, wo SFS es leider nicht über den Strich in die 3. Liga geschafft hat, fuhr er mit einem Kollegen beim Stadion vor. Ich ging sofort zu ihm hin und sagte ihm, dass er es heute rund macht und das wichtige Tor schießt. Das wusste er noch. Und tatsächlich hat er sein Tor gemacht. Beim Gedanken daran bekomme ich noch Gänsehaut. Es gab ein heftiges Unwetter mit Starkregen, Blitz und Donner während des Spiels. Und genau in dem Moment wo so ein Blitz gefühlt bis zum Boden runterkam, haute er die Kugel ins Tor. Das hat im Rückblick schon was Mystisches. Auch wenn es, wie gesagt, am Ende nicht reichte.

Das sind alles so Geschichten. Und im Vergleich dazu, muss ich dir Recht geben. Ich glaube das gibt es heute so nicht mehr. Aber solche Bekanntschaften kamen eben auch, wenn man nach dem Training mal den Mut hatte, die Jungs anzusprechen. Als zwei andere Spieler zum Kindergeburtstag meines Sohnes kamen, habe ich den einen erst am gleichen Morgen in der Waschstraße gefragt, ob er das für eine Stunde einrichten könne. War kein Thema und er brachte gleich seinen Kollegen mit, den hier auch jeder kennt, weil er im weiteren Umfeld immer noch aktiv ist in anderer Rolle. Aber ich denke, dass es so nie wieder werden wird. Aber man zehrt davon und hat schöne Erinnerungen, die dem Geschäft ein wenig von seiner Kälte nehmen.

Und ja, dieses Gefühl zum Saisonende - wer geht, wer bleibt - das rückt auch dieses Jahr näher. Und obwohl es keinen Spieler gibt, zu dem man einen näheren Bezug hätte, empfinde ich aus den häufig genannten Gründen trotzdem für einen so was wie Wehmut. Ja, da ist er wieder der Name. Aber ich sage ihn nicht, sonst müsste ich jetzt mitten im Satz in das dafür extra eröffnete Thema wechseln. Aber er ist so einer, wo bei mir eine ganze Mischung von Gefühlen aufkommt. Ohne ihn zu kennen, nur der Umstände halber.
 
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Manchmal sitze ich da und denke an früher zurück – an Zeiten, in denen sich Fußball noch irgendwie… näher angefühlt hat.

Nicht größer, nicht erfolgreicher – aber echter.

Vor allem denke ich an 2016. An die Aufstiegsmannschaft.
Das war mehr als nur ein Team – das war ein Gefühl.

Damals hatte man das Gefühl, man kennt die Jungs auf dem Platz. Nicht persönlich natürlich, aber irgendwie war da eine Verbindung. Spieler, mit denen man sich identifizieren konnte. Typen, die für den Verein gebrannt haben – und bei denen man gemerkt hat, dass es ihnen genauso weh tut wie uns, wenn etwas nicht läuft.

Vor jeder Sommerpause dieses komische Gefühl: Wer geht? Wer bleibt?
Und wenn jemand gegangen ist, hat es sich nicht einfach wie ein Transfer angefühlt – sondern wie ein kleiner Verlust.

Ich denke da zum Beispiel an Namen wie René Lewejohann.
Das waren keine Stars – das waren unsere Spieler.

Heute ist vieles professioneller, schneller, größer geworden.
Aber genau diese Nähe, dieses „Wir gegen den Rest“, dieses ehrliche Mitfiebern… das vermisse ich.

Wie geht’s euch damit?
Ist das nur Nostalgie – oder fehlt euch dieses Gefühl auch?
Meine Tochter bekam damals das Trikot von Lewejohan .
Hatte er ihr länger versprochen und Wort gehalten .
Mit Sven Michel verbindet uns Heute noch einiges .
Auch von Binder und Grebe haben die Kids die Trikots bekommen .
Und natürlich vom Fan Liebling Julian Jakobs 👍
War eine schöne Zeit und ein tolles Team
 
Ich habe nicht das Gefühl, dass bei uns nur noch Spieler auf dem Platz stehen, denen der Verein und das Umfeld nichts bedeutet.
Klar gibt es ganz allgemein Spieler, die jeden Tag ein neues Vereinswappen küssen, sobald der nächste Verein noch ne Schippe Geld oben drauf legt. Aber ganz ehrlich, die gab es auch früher schon mehr als genug, auch bei SFS.

Und es gibt einige aktuelle Spieler, die ich sympathisch finde, die nett/höflich sind. Diesen Jungs jetzt zu sagen "hey, früher war alles besser" bedeutet doch im Umkehrschluss zumindest ein Stück weit "hey, heute das ist Sch***".
Geht mir echt zu weit. Klar, ich kenne die Spieler nicht persönlich, abgesehen von kurzem Smalltalk mit dem ein oder anderen. Aber da habe ich wie gesagt durchaus positive Eindrücke gewonnen.

Ich würde sogar weiter gehen. In meiner Erinnerung gibt es Spieler, die mir wirklich negativ haften geblieben sind (nein, ich möchte an dem Punkt bewusst keine Namen nennen - jedem von euch werden selbst Namen einfallen). Solche Typen fehlen meiner Meinung nach im aktuellen Kader.

Wichtig für eine gewisse emotionale Bindung ist, dass es Spieler gibt, die länger als ein, zwei Jahre für unsere Sportfreunde spielen. Wie soll ein Spieler sich auf einen Verein, eine Region, die Fans einlassen, wenn er nur ein paar Monate hier ist?
Wie soll ein Fan einen Spieler schätzen lernen, wenn allzu schnell ein anderer an dessen Stelle tritt?

Für die sportliche Entwicklung einer Mannschaft und auch für die Entwicklung eines Vereins ist Kontinuität wichtig. Das heißt nicht, dass zwanzig Spieler jahrelang hier bleiben. Fluktuation gehört zum Profifußball untrennbar dazu. Aber ein Kern an Spielern sollte über ein paar Jahre hier bleiben - das ist dann ein Gewinn für alle Beteiligten.
Und dann haben auch die Fußball-Romantiker wieder was, woran sie sich erfreuen können.
 
Dafür, dass du mir schon oft gesagt hast, dass das eben das Geschäft ist und es eher nüchtern und unromantisch angehst, war der Beitrag mal ganz neu. Für die "Nicht-Romantiker" zählt nach eigenen Angaben nur der Verein. Die Spieler sind eine Zeitlang Teil davon, wie ein gut funktionierendes Werkzeug. Dann gehen sie und die nächsten kommen. Geschäft halt.

"Früher war alles besser" kann immer nur aus der subjektiven Betrachtung gesehen werden. Die von heute kennen das früher nicht. (deshalb habe ich mir mal ein T-Shirt mit der Aufschrift "Früher war alles besser, ich bin von früher" gekauft) Und die von früher kennen das Vorgestern nicht. Insofern kann ich mich nur an den Erinnerungen festhalten, wie oben geschildert. Das war früher oder sagen wir vor nicht allzu langer Zeit. Jetzt ist es anders. Heute haben andere vielleicht ihre Kontakte oder Erlebnisse. Die schildern das dann später auch mit dem Bezug auf Früher. Deshalb sind die Spieler von heute nicht mehr oder weniger nett oder sympathisch. Aber mein Bogen umfasst halt nur die 90 Minuten, die ich sie auf dem Platz sehe. Es gibt keine persönliche Beurteilungsgrundlage. Und deshalb war das früher halt besser. Und das was du über die Bindung sagst, stimmt auch. Aber die meisten haben sich schon wieder losgebunden, bevor sie sich gebunden haben. Ich glaube, wenn ich demnächst die ersten namentlich benenne, wo mir das wirklich leid tut, dass sie weg sind, weil sie gerade anfangen, sich zu entwickeln, wirst du doch wieder auf das Geschäft verweisen. Und trotzdem ist es für das Gesamtkonstrukt wichtig, dass es einen Kern gibt, der Identifikation herstellt. Und natürlich auf dem Platz eine Konstante ist. Aber Konstanz ist halt in dem Zusammenhang wie ein Eimer Wasser auf die Feuerschale. Passt häufig nicht zusammen. Es gibt aber auch die Ausnahmen, wie oben beschrieben.
 
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Und es gibt einige aktuelle Spieler, die ich sympathisch finde, die nett/höflich sind. Diesen Jungs jetzt zu sagen "hey, früher war alles besser" bedeutet doch im Umkehrschluss zumindest ein Stück weit "hey, heute das ist Sch***".
Geht mir echt zu weit. Klar, ich kenne die Spieler nicht persönlich, abgesehen von kurzem Smalltalk mit dem ein oder anderen. Aber da habe ich wie gesagt durchaus positive Eindrücke gewonnen.
Niemand hat geschrieben dass früher alles besser war aber ich für meinen Teil konnte mich mit früheren Spielern einfach besser "identifizieren". Ich erinner gern an das legendäre Youtube Video zur Eroberung der Grotenburg und der darauf folgenden legendären Auswärtsfahrt und des Sieges mit mindestens 600 Siegener Fans. Ich vermisse diese Zeiten einfach und in mir ist ein kleiner Funke Hoffnung dass solche Zeiten wieder kommen.
 
Niemand hat geschrieben dass früher alles besser war aber ich für meinen Teil konnte mich mit früheren Spielern einfach besser "identifizieren". Ich erinner gern an das legendäre Youtube Video zur Eroberung der Grotenburg und der darauf folgenden legendären Auswärtsfahrt und des Sieges mit mindestens 600 Siegener Fans. Ich vermisse diese Zeiten einfach und in mir ist ein kleiner Funke Hoffnung dass solche Zeiten wieder kommen.
Jau ,die Fahrt zur Grotifantenburg. 😂😂

Und Binders 1:0 ,legendär 👍👍
 
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