Fußball-WM 2026

Ich weiß, dass Politik hier keine Rolle spielen soll/darf. Aber ich stelle es trotzdem mal hier ein, weil es m. E. ein paar interessante Sichtweisen/Parallelen aufführt. Ja es geht um Politik, aber auch um die WM. Es scheiden sich ja die Geister - die einen sagen, dass die beiden Bereiche getrennt werden müssen, nach dem Motto: Fußball ist Fußball. Der ändert eh nichts an der Lage. Das mag sein. Aber selten und in so vielfältiger Weise gab es mal so viele Einflüsse. Auch wenn wir es alle nicht ändern können, so kann man trotzdem mal drüber nachdenken, wie paradox es gerade dieses Mal ist, was die weltpolitischen Akteure und die Austragungsorte angeht. Man reibt sich die Augen, wie doch im Moment alles auf den Kopf gestellt ist. Neunzig Minuten Ablenkung? Ja! Aber es wird doch täglich daran erinnert, in welchen Umfeld und unter welchen Bedingungen uns diese Ablenkung präsentiert wird.

Wir sollten nicht drüber diskutieren, weil eh jeder etwas anderes denkt. Aber wer möchte, kann es ja mal lesen.

 

Also wer behauptet, dass der Sport sich aus der Politik und aus politischen oder gesellschaftspolitischen Entscheidungen eines Landes raushalten solle, der wird hier eines Besseren belehrt. Ich war auch nicht für den ganzen Scheiß mit den Regenbogenbinden in Katar. Aber wenn das schon zu viel war, was ist dass dann hier? Von der Regierung eines Landes inszeniert!

Gestern Abend lief eine 1a Doku in der ARD über die WM in Trumps Amerika. Die kann ich wärmstens empfehlen. Dort kam Klinsmann zu Wort, der ebenfalls meinte, dass die Fußballer in die USA reisen sollen, um ein gutes Turnier zu spielen und sonst nichts! Alles andere wäre Aufgabe der Politik oder der Verbände. Aber was will man machen, wenn es einen Verband wie die FIFA gibt? Mit einem Mafiosi als Chef!

Dieser im Bericht geschilderte Eingriff wird nicht der letzte sein. Trump stellt alle Werte basierten Regeln, jeglichen "normalen" und zwischenmenschlichen Umgang in der Welt infrage. Warum sollte er das bei dieser WM nicht tun? Und dann bekommt er von diesem Clown Infantino noch einen eigens für ihn geschaffenen "Friedenspreis". Hier im Forum wird ja gerne schon mal Ironie mit Zynismus verwechselt. Das hier ist Zynismus auf der untersten menschlichen Ebene. Und auch hier wird die FIFA nicht mal den Hauch eines Einspruchs erheben. Und dann wundert man sich, dass die Menschen auf der Südhalbkugel sich immer mehr von der Dekadenz des Nordens ab -und sich irgendwelchen autokratischen Ländern zuwenden. Diese WM ist die politischste aller Zeiten und sie setzt einen Tiefpunkt nach dem anderen.
 
Im Podcast "Der Sechzehner" gibt es in der aktuellen Folge sehr interessante Ansichten von Ewald Lienen zum Kader und zur Aufstellung, die ich fast alle teile.


Ich versuche das mal kurz zusammenzufassen:

  • Wir haben in unserem System ein totales Ungleichgewicht, da Kimmich sich als Spielgestalter sieht und grundsätzlich bei Ballbesitz ins zentrale Mittelfeld schiebt. Daraus ergibt sich bei Ballverlusten eine völlig blanke rechte Abwehrseite, die die Gegner nutzen können.
  • Wir hatten gegen die USA keinen echten „Sechser“, der im Eins-gegen-Eins-Duell defensive Zweikämpfe gewinnt. Dadurch hatten selbst die USA nach der guten ersten Viertelstunde von uns ein Übergewicht und auch einige Abschlusschancen: Die Schüsse gingen aber fast alle drüber oder vorbei. Gegen Teams mit besseren Einzelspielern wird sich das ändern.
  • Die Nachnominierung von Ouedraogo kann Lienen überhaupt nicht nachvollziehen. Mit Karl ist ein Spieler raus, der im 4-2-3-1 die offensive Außenposition besetzt hat. Nun holt man einen weiteren zentralen Mittelfeldspieler dazu, von denen man eh schon viel zu viele hat. Und er stellt die schon fast rhetorische Frage, was denn alles passieren muss, dass ein Pascal Groß gebraucht wird?
  • Daraus folgend: Nagelsmann hat ein völlig anderes Rollenverständnis eines Flügelspielers als Lienen und auch viele andere Trainer. Hierzu führt Ewald auf, dass die meisten erfolgreichen europäischen Mannschaften mit „echten“ Flügelspielern spielen und fragt: Was wäre Bayern ohne Oliseh oder Diaz? Und er zählt viele weitere Teams auf, die ebenfalls mit offensiven Außenspielern agieren, die in der Lage sind, sich durchzudribbeln, die auf die Grundlinie gehen können oder die man einfach lang schicken kann.
  • Weiter dazu: Daher sei es völlig unverständlich, dass wir nur Sane für rechts haben, der das Niveau spielen kann. Und links überhaupt niemanden. Denn: Wirtz ist aus seiner Sicht kein Flügelspieler. Das man dann den wohl besten deutschen Spieler derzeit, der dort spielen kann, El Mala, weder von Anfang an nominiert hat noch nach dem Karl-Aus geholt hat, ist für ihn total unverständlich.
  • Dabei wird auch thematisiert, dass Nagelsmann dies damit begründet, dass El Mala ja zuletzt wenig trainiert habe und nicht im Tritt wäre. Ganz davon ab, dass El Mala im letzten Spiel in München 80 Minuten gespielt habe und dann vorsichtshalber ausgewechselt wurde, führt Lienen an, dass Ouedraogo von Januar bis März ausgefallen war. Er hat Anfang April erstmals wieder gespielt. Havertz war ellenlang verletzt und ist erst seit kurzem wieder fit. Das der aber spielen muss, sei klar. Musiala war lange verletzt und ist nicht richtig in Form. Als Born, der andere des Duos, dann noch den Namen Neuer in den Raum wirft, lachen beide. Kurzum: Die Aussagen zu El Mala und warum man den nicht mitgenommen hat, sind ein Witz.
  • Lienen verteidigt derweil Sane und findet äußerst kritische Worte zu Wolf Fuß und Lothar Matthäus und deren Kommentare im Spiel gegen die USA, aber auch zu vielen anderen Journalisten. Der Umgang mit Sane sei eine Frechheit, er würde seit Jahren in eine Schublade gesteckt, die man immer wieder öffnet. Wirtz und Musiala beispielsweise würden genau so oft hängenbleiben. Das würde nur bei Sane thematisiert. Und wenn der gute Aktionen habe, wie das Tor gegen die USA, würde das keineswegs so gewürdigt, wie es bei anderen Spielern gemacht wird. Und das Sane nach Ballverlusten inzwischen sehr oft dem Gegenspieler 70 Meter hinterherlaufen würde und den Ball zurückzuerobern, werde auch nicht gesehen. Sowas würde es nur in Deutschland geben. Ganz Unrecht hat er damit sicherlich nicht.
  • Kurzum: Lienen sieht viele Baustellen – natürlich auch die mit Neuer – und hofft, dass „Julian“ das nicht alles vor die Füße fällt.
 
Ich habe bei der Nominierung von Ouedraogo nur gedacht, dass Nagelsmann keinen Mut hat einen Spieler noch nachträglich zu nominieren, auf den er erst einmal verzichtet hat. Denn möglicherweise liefert dieser Spieler (El Mala) dann ab, und jeder fragt sich warum Nagelsmann nicht gleich so gehandelt hätte.
 
Wobei Musiala auch links spielen kann.. wäre für mich eh die bessere Wahl, Musiala links, Wirtz auf der 10 und Sane rechts. Vorne dann Undav als Stürmer, so würde ein Schuh draus.
Über Kimmich brauchen wir uns nicht zu unterhalten, dazu finde ich die Kombination mit Nmecha und Pavlovich im Mittelfeld einfach klasse.
 
Wir hatten gegen die USA keinen echten „Sechser“, der im Eins-gegen-Eins-Duell defensive Zweikämpfe gewinnt.
Über Kimmich brauchen wir uns nicht zu unterhalten, dazu finde ich die Kombination mit Nmecha und Pavlovich im Mittelfeld einfach klasse.
Zwei gegensätzliche Einschätzungen, bei denen ich es mit "Brasilia100" halte. Unser defensives Mittelfeld hat in der Form für mich keine internationale Klasse. Und wer schon gegen die USA schwimmt, der braucht von erfolgreichen Spielen gegen wirklich gute Teams sicher nicht zu träumen.

Ein anderes Thema ist Musiala, der leider auch noch längst nicht in der herausragenden Verfassung vor seiner Verletzung ist. Und genau solche richtig guten Spieler braucht man, wenn man zumindest offensiv was reißen will - defensiv überzeugt mich diese Mannschaft ohnehin nicht (gemessen an der Bühne "WM" und dem Anspruch, weit im Turnier kommen zu wollen).
 
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