Ich hab die Ki mal um eine Analyse gebeten:
2. Spieltag: Sportfreunde Siegen – VfB Hilden 1:1 – wieder kein Sieg
Nach dem enttäuschenden 2:3 zum Auftakt in Rhynern sehe ich einige Punkte sogar kritischer als nach dem ersten Spiel. Vor 2.987 Zuschauern im Leimbachstadion kam Siegen trotz einer klaren Steigerung nach der Pause nicht über ein 1:1 hinaus.
Mein Eindruck vom Spiel:
Das Ergebnis ist enttäuschend – die zweite Halbzeit war aber deutlich besser als die erste.
Das Problem ist: Wir reden jetzt über zwei Spieltage und zwei ähnliche Muster.
Rhynern: früher Rückstand, schlechte erste Halbzeit, zu wenig Kontrolle.
Hilden: früher Rückstand, schlechte erste Phase, Probleme im Aufbau.
Danach jeweils eine Reaktion.
Aber: zu wenig Konsequenz, um das Spiel tatsächlich zu gewinnen.
Und genau das würde mir als Fan langsam Sorgen machen.
Der Start war wieder nicht aufstiegsreif
Nach sieben Minuten steht es 0:1.
Und diesmal war es nicht einmal ein Zufallstreffer: Siegen verliert den Ball im Spielaufbau, Hilden bekommt dadurch viel Raum im Zentrum und Feese läuft anschließend frei auf Johnen zu.
Das ist für mich der entscheidende Punkt.
Schon wieder ein Gegentor, das aus einem eigenen Fehler im Aufbau entsteht.
Nach Rhynern hätte man erwarten können, dass Schommers genau dort ansetzt.
Stattdessen passiert im zweiten Pflichtspiel erneut etwas sehr Ähnliches.
Das kann man nach zwei Spielen noch nicht als Krise bezeichnen – aber man darf es definitiv als Muster bezeichnen.
Schommers hat reagiert – und das muss man ihm zugutehalten
Was ich diesmal positiv finde: Schommers hat bereits nach 32 Minuten reagiert und Brock für Ramaj gebracht und das System verändert.
Und diese Maßnahme hat tatsächlich Wirkung gezeigt.
Siegen wurde besser, bekam mehr Zug nach vorne und erzielte durch Stöcker in der 37. Minute den Ausgleich. Auch Willms und Cueto hatten anschließend gute Aktionen.
Das ist wichtig für die Bewertung des Trainers.
Ich würde deshalb nicht sagen:
„Schommers hat nichts gemacht.“
Das stimmt nicht.
Er hat reagiert – und die Reaktion hat funktioniert.
Aber die nächste Frage ist:
Warum braucht es wieder erst einen Rückstand?
Das ist für mich die größere Baustelle.
Du spielst zu Hause gegen einen Aufsteiger.
Fast 3.000 Zuschauer im Leimbachstadion.
Nach der Niederlage in Rhynern erwartest du eigentlich eine Mannschaft, die von Beginn an brennt.
Stattdessen liegt man nach sieben Minuten hinten und produziert erneut Fehler im Aufbau.
Das kann nicht dauerhaft der Anspruch sein.
Zweite Halbzeit: viel Ball, aber zu wenig Gefahr
Das ist für mich der größte Kritikpunkt am gestrigen Spiel.
Siegen hatte nach der Pause zunehmend Kontrolle. Hilden zog sich zurück und lauerte auf Umschaltmomente. Die Sportfreunde kamen immer wieder bis an bzw. in den Strafraum – aber dort fehlte die entscheidende Aktion.
Und genau da trennt sich eine gute Mannschaft von einem Aufstiegskandidaten.
Ballbesitz allein bringt keine drei Punkte.
Wenn du einen Gegner 20, 25 oder 30 Meter vor seinem Tor festsetzt, musst du irgendwann eine Lücke finden.
Stattdessen:
- viele hohe Bälle,
- Flanken ohne Abnehmer,
- Kombinationen durchs Zentrum, die kurz vor dem Abschluss steckenbleiben,
- wenig wirklich klare Torchancen.
Der Gegner wurde teilweise eingeschnürt, aber Siegen kam nicht entscheidend durch.
Güler macht mir momentan weniger Sorgen als die Spieler hinter ihm
Güler hatte in der 63. Minute sogar eine richtig gute Möglichkeit am langen Pfosten, brachte den Ball aber nicht aufs Tor.
Aber ich würde jetzt nicht anfangen, Güler zum Problem zu machen.
Ein Stürmer kann nicht alleine dafür verantwortlich sein, dass die Mannschaft zu wenige klare Chancen produziert.
Wenn die Bälle nicht vernünftig in den Strafraum kommen und die entscheidenden Pässe fehlen, hat auch ein Güler ein Problem.
Ich würde momentan eher fragen:
Wie schaffen wir es, Güler häufiger in Situationen zu bringen, in denen er seine Stärke ausspielen kann?
Dacaj muss sich ebenfalls steigern
Dacaj wurde nach 61 Minuten für Huth ausgewechselt, als Schommers auf Doppelsturm umstellte.
Auch hier würde ich nicht sagen, dass er plötzlich ein schlechter Spieler ist.
Aber genau solche Spieler wurden geholt, um solche Spiele zu entscheiden.
Gegen einen tiefstehenden Aufsteiger brauchst du Spieler, die zwischen den Linien Lösungen finden.
Wenn der Gegner hinten alles zustellt, darf das Spiel nicht irgendwann nur noch aus Flanken und hohen Bällen bestehen.
Da erwarte ich von Dacaj, Cueto und den anderen offensiven Spielern mehr Kreativität.
Das Positive: Hilden wurde nach der Pause praktisch eingeschnürt
Das sollte man nicht unterschlagen.
Nach dem Seitenwechsel hatte Siegen deutlich mehr Kontrolle. Hilden verteidigte tief und leidenschaftlich, Siegen spielte praktisch Einbahnstraßenfußball.
In der 90. Minute hatte Mayer am zweiten Pfosten noch eine Chance, in der Nachspielzeit verfehlte Tokac mit einem Kopfball nur knapp das Tor.
Deshalb würde ich das Spiel auch nicht als „grottenschlecht“ bezeichnen.
Die erste Hälfte war enttäuschend.
Die zweite Hälfte war ordentlich.
Aber ordentlich reicht zu Hause gegen Hilden nicht, wenn du aufsteigen möchtest.
Und jetzt kommen wir zum Trainer
Nach Rhynern habe ich gesagt: Noch kein Grund für eine Trainerdiskussion.
Nach Hilden sage ich:
Schommers muss sich jetzt zumindest erste ernsthafte Fragen gefallen lassen.
Nicht weil er nach zwei Spielen entlassen werden sollte.
Sondern weil sich gewisse Dinge wiederholen.
Die Fragen wären für mich:
Warum startet die Mannschaft erneut so schlecht?
Warum produzieren wir erneut gefährliche Fehler im Spielaufbau?
Warum braucht es erst einen Rückstand, bevor die Mannschaft richtig ins Spiel kommt?
Warum schaffen wir es trotz individueller Qualität so selten, einen tiefstehenden Gegner wirklich auseinanderzuspielen?
Und vor allem:
Wo ist die klare Spielidee?
Denn momentan sehe ich eher:
Erst geraten wir unter Druck → dann reagieren wir → dann haben wir Ballbesitz → dann fehlen uns die Lösungen im letzten Drittel.
Das ist für einen Aufstiegskandidaten zu wenig.
Nach zwei Spieltagen
1 Punkt aus 2 Spielen.
Und dabei gegen:
- Rhynern – Aufsteiger
- Hilden – Aufsteiger
Das ist objektiv ein enttäuschender Start.
Noch schlimmer wäre allerdings, wenn wir jetzt wieder anfangen würden, alles schwarz zu sehen.
Die Saison ist lang.
Der Kader ist gut.
Und die zweite Halbzeit gegen Hilden hat gezeigt, dass die Mannschaft durchaus Druck entwickeln kann.
Aber gegen Schalke II am kommenden Freitag muss eine deutliche Steigerung her. Der nächste Gegner ist allerdings eine ganz andere Hausnummer.
Und dort wird sich meiner Meinung nach erstmals richtig zeigen, ob Rhynern und Hilden nur ein holpriger Saisonstart waren – oder ob wir tatsächlich ein grundlegendes Problem haben.
Meine Bewertung
1. Halbzeit: 4,5/10
Zu viele Fehler, Rückstand, wenig Kontrolle.
2. Halbzeit: 6,5/10
Deutlich besser, viel Druck, aber zu wenig Durchschlagskraft.
Gesamt: 5,5/10
Mannschaft: noch nicht auf dem Niveau eines Aufstiegskandidaten.
Schommers: hat diesmal reagiert und damit zunächst richtig gelegen – trotzdem muss er jetzt erklären, warum die Mannschaft erneut so schlecht ins Spiel kommt.
Mein Fazit:
Ein Punkt gegen Hilden ist zu wenig. Nicht weil man jeden Aufsteiger automatisch schlagen muss, sondern weil die Sportfreunde nach dem Rhynern-Spiel zu Hause eine klare Reaktion zeigen wollten – und diese Reaktion letztlich nur über weite Strecken der zweiten Halbzeit zu sehen war.